{"id":3927,"date":"2022-07-11T18:07:15","date_gmt":"2022-07-11T16:07:15","guid":{"rendered":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/?p=3927"},"modified":"2022-07-11T18:07:15","modified_gmt":"2022-07-11T16:07:15","slug":"augsburger-gespraeche-literatur-theater-engagement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/augsburger-gespraeche-literatur-theater-engagement\/","title":{"rendered":"Augsburger Gespr\u00e4che: Literatur &#8211; Theater &#8211; Engagement"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/plakat_zusammenhalt_2022.jpg__1080x2000_q85_subject_location-12411754_subsampling-2-530x750.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3930\" width=\"531\" height=\"751\" srcset=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/plakat_zusammenhalt_2022.jpg__1080x2000_q85_subject_location-12411754_subsampling-2-530x750.jpg 530w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/plakat_zusammenhalt_2022.jpg__1080x2000_q85_subject_location-12411754_subsampling-2-262x370.jpg 262w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/plakat_zusammenhalt_2022.jpg__1080x2000_q85_subject_location-12411754_subsampling-2-124x175.jpg 124w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/plakat_zusammenhalt_2022.jpg__1080x2000_q85_subject_location-12411754_subsampling-2-768x1086.jpg 768w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/plakat_zusammenhalt_2022.jpg__1080x2000_q85_subject_location-12411754_subsampling-2.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 531px) 100vw, 531px\" \/><figcaption><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nicht nur durch die Erfahrungen mit der Pandemie, sondern auch ganz aktuell vor dem Hintergrund des Kriegsgeschehens in der Ukraine scheint der Zusammenhalt der Gesellschaft aufs \u00e4u\u00dferste bedroht. F\u00fcr die Bertelsmann Stiftung, die bereits seit 2012 das Projekt \u201eRadar gesellschaftlicher Zusammenhalt\u201c durchf\u00fchrt, besteht Zusammenhalt aus vertrauensvollen und vielf\u00e4ltigen sozialen Beziehungen, einer positiven emotionalen Verbundenheit mit dem Gemeinwesen, dessen Grundordnung als fair akzeptiert wird und aus der Bereitschaft der Menschen, f\u00fcr die Allgemeinheit und f\u00fcr Schw\u00e4chere aktiv Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Zusammenhalt scheint also wichtig f\u00fcr das gesellschaftliche Miteinander und letztlich zentral f\u00fcr das Gelingen einer liberalen Demokratie. \u201eAuf den ersten Blick\u201c, so der Politikwissenschaftler Jan-Werner M\u00fcller, \u201ekann niemand etwas gegen die Forderung nach Zusammenhalt sagen \u2013 au\u00dfer vielleicht den Verdacht, viele Reden \u00fcber Zusammenhalt seien ein Rennen um die besten Gemeinpl\u00e4tze. Auf den zweiten Blick darf man jedoch fragen, wie der Ruf nach Koh\u00e4sion eigentlich mit einem anderen zentralen Begriff im bundesrepublikanischen Demokratiediskurs zusammenpasst: dem der Streitkultur.\u201c In einer pluralistischen Gesellschaft sind Differenzen und Konflikte essentiell und sogar Ausdruck von politischer Freiheit. \u201eKonflikt ist Freiheit\u201c, so der Soziologe Ralf Dahrendorf, und die \u201eRegierung durch Konflikt\u201c ist eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in einer liberalen Demokratie, in der Differenzen ausgehalten und auf friedliche Weise geregelt werden. Wie aber l\u00e4sst sich dieser Befund mit der Idee des Zusammenhalts vereinbaren?<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenhalt scheint also kein Wert an sich zu sein. Der Begriff muss offensichtlich in einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang von Werten eingebettet werden, die in einer Demokratie z.B. Grundvorstellungen von Freiheit und Gleichheit bedeuten k\u00f6nnen. Daher greift auch der Vorwurf, der seit geraumer Zeit Vertreter*innen der Identit\u00e4tspolitik gemacht wird, n\u00e4mlich die Spaltung der Gesellschaft zu forcieren, zu kurz. Anstatt sich auf Gemeinsamkeiten zu besinnen und die andere Seite als legitimen Partner im Konflikt anzuerkennen, werde sofort &#8222;gecancelt&#8220;. Ganz grunds\u00e4tzlich geht es bei dieser Form der Identit\u00e4tspolitik aber nicht um pers\u00f6nliche Befindlichkeiten, sondern um die Verwirklichung von Grundrechten \u2013 und zwar auf der Basis gesamtgesellschaftlich geteilter Prinzipien wie Freiheit und Gleichheit. Es geht hier um eine Verteidigung von Menschenrechten, also um elementare Forderungen f\u00fcr alle. Anders sein ohne Angst \u2013 diese von Theodor W. Adorno inspirierte Formulierung vermittelt, worauf Identit\u00e4tspolitik eigentlich abzielt: eben kein \u201aidentisch machen\u2018. Gemeinsinn entst\u00fcnde dann gerade aus der Verpflichtung, Rechte immer wieder neu auszuhandeln, sie zu erweitern, um eine Gesellschaft des Zusammenhalts \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichen zu k\u00f6nnen. Diese Bereitschaft zur Aushandlung k\u00f6nnte gerade das Verbindende sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenhalt bedeutet also Konfliktf\u00e4higkeit und das konstruktive Ringen um die beste gemeinsame Zukunft. Er kann weder \u201avon oben\u2018 verordnet, noch von Institutionen vorgeschrieben werden. Doch wer definiert also den Zusammenhalt und auf welcher Grundlage? Und muss die Vielfalt der Meinungen tats\u00e4chlich \u00fcber alles gestellt werden? M\u00fcssen nicht auch \u201eunverhandelbare Grenzen markiert werden, damit nicht diejenigen allein gelassen werden, die an die Demokratie glauben und die ihren Schutz brauchen?\u201c (Carolin Emcke) Gerade vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland stellt sich diese Frage einmal mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt also scheinbar keine neutrale Vorstellung von Zusammenhalt. \u201eVielleicht ist das der eigentliche Sinn des Begriffs \u2013 uns zum Nachdenken \u00fcber die Alternativen zwischen verschiedenen normativen Konzeptionen des Zusammenhalts zu motivieren.\u201c (Rainer Forst).<\/p>\n\n\n\n<p>Wo aber sind diese Orte der Aushandlung zu finden und welche Rolle spielen hier vor allem das Theater und die Literatur? Stellen sie R\u00e4ume der Streitkultur zur Verf\u00fcgung oder liefern sie qua ihrer Imaginationsf\u00e4higkeit Visionen des Zusammenhalts? Und wie sehen diese Visionen aus, werden sie gezeigt, offenbar gemacht oder stellen sie sich erst im Zusammenspiel mit den Leser<em>innen und Zuschauer<\/em>innen her? Welche Rolle spielt dabei die Literarizit\u00e4t, die Theatralit\u00e4t? Geht es also allein um inhaltliche Aspekte oder wird gar die Form zur Tr\u00e4gersubstanz einer wie auch immer gearteten Haltung? Diesen und anderen Fragen ist in offener und geschlossener Runde im Rahmen der Augsburger Gespr\u00e4che vom 20. bis 22. Juli 2022 nachzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Nicht nur durch die Erfahrungen mit der Pandemie, sondern auch ganz aktuell vor dem Hintergrund des Kriegsgeschehens in der Ukraine scheint der Zusammenhalt der Gesellschaft <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/augsburger-gespraeche-literatur-theater-engagement\/\" title=\"Augsburger Gespr\u00e4che: Literatur &#8211; Theater &#8211; Engagement\">[&#8230;]<\/a><\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":10,"featured_media":3929,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3927"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3927"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3927\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3933,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3927\/revisions\/3933"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3929"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}