{"id":375,"date":"2013-03-12T12:50:24","date_gmt":"2013-03-12T12:50:24","guid":{"rendered":"http:\/\/fcaux.de\/et\/?p=375"},"modified":"2013-04-26T14:27:21","modified_gmt":"2013-04-26T12:27:21","slug":"ethos-des-verstehens-positionen-der-hermeneutik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/ethos-des-verstehens-positionen-der-hermeneutik\/","title":{"rendered":"&#8222;Ethos des Verstehens? Positionen der Hermeneutik&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3><strong>&#8222;Ethos des Verstehens? Positionen der Hermeneutik&#8220;<\/strong><\/h3>\n<p><strong><\/strong>Das Seminar der Augsburger Studierenden hinterfragte auf interdisziplin\u00e4rer Ebene die Selbstverst\u00e4ndlichkeit der kommunikativen Grundkompetenz des Verstehens.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<h3>Verstanden? \u2013 Augsburger Studierende auf der Suche nach dem verlorenen Selbstverst\u00e4ndlichen<\/h3>\n<p>Die F\u00e4higkeit, zu verstehen, ist eine derart selbstverst\u00e4ndliche kommunikative Grundkompetenz, dass die einfache weiterf\u00fchrende Frage, was Verstehen eigentlich bedeutet, entweder \u00fcberfl\u00fcssig oder aber in hohem Ma\u00dfe dazu geeignet erscheint, falsche Selbstverst\u00e4ndlichkeiten \u00fcber Bord gehen zu lassen. Was meinen wir, wenn wir sagen, wir verstehen? Was genau verstehen wir eigentlich, wenn wir meinen, verstanden zu haben?<\/p>\n<p>Mit diesen und \u00e4hnlichen Fragen besch\u00e4ftigten sich im vergangenen Wintersemester Augsburger Studierende des interuniversit\u00e4ren Elitestudiengangs \u201eEthik der Textkulturen\u201c in einem Seminar mit dem Titel \u201eEthos des Verstehens? Positionen der Hermeneutik\u201c. Das Seminar, das, entsprechend dem Selbstverst\u00e4ndnis des Studiengangs, auch Studierenden anderer Fachrichtungen offen stand, war bereits im vergangenen Sommersemester von Prof. Joachim Jacob und einer studentischen Vorbereitungsgruppe aus der \u201eEthik der Textkulturen\u201c konzipiert worden. Jedes Mitglied dieses Organisations-Teams \u00fcbernahm die Verantwortung f\u00fcr zwei Seminarsitzungen. Das beinhaltete einerseits die Suche nach geeigneten Grundlagen-Texten f\u00fcr die Seminardiskussion und andererseits die anspruchsvolle Aufgabe, sich soweit in die verantwortete Thematik einzuarbeiten, dass eine eigenst\u00e4ndige Seminarmoderation durchgef\u00fchrt werden konnte. Den Studierenden der Vorbereitungsgruppe bot sich so die im zeitgen\u00f6ssischen Universit\u00e4tsbetrieb nicht gerade allt\u00e4gliche M\u00f6glichkeit, unter professoraler \u00c4gide selber Lehrerfahrung zu sammeln und den Kommilitonen dabei zuzusehen, wie deren Lehrversuche \u00fcber die B\u00fchne gingen.<\/p>\n<p>Nachdem im Sommersemester bereits die Gelegenheit bestanden hatte, Texte Hans-Georg Gadamers und Wilhelm Diltheys zu diskutieren, war es im Wintersemester endlich soweit, in eine differenziertere Diskussion, die von allen Seminarteilnehmer\/innen lebhaft und oft kontrovers gef\u00fchrt wurde, \u00fcber zentrale Positionen der Hermeneutik seit Friedrich Schleiermacher eintreten zu k\u00f6nnen. Besprochen wurden neben Texten der bereits genannten Autoren Artikel von so unterschiedlichen Denkern wie Sigmund Freud, Max Weber, Martin Heidegger, Niklas Luhmann und Anderen. Zudem gab es Gelegenheit, in zwei eigens eingeschalteten Reflexionssitzungen \u00fcber nur schwer zu kl\u00e4rende Probleme der Hermeneutik weiterzudiskutieren, n\u00e4mlich \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Musik- und Sprach-Verstehen sowie \u00fcber die aus ethischer Perspektive nicht unproblematische Frage, was es hei\u00dft, einen Autor besser zu verstehen, als er sich selber verstanden hat.<\/p>\n<p>Einen H\u00f6hepunkt der Veranstaltung bildete gegen Ende des Semesters ein Vortrag von PD Dr. Henning Teschke mit dem Titel \u201e\u00dcber die Scham, ein Mensch zu sein \u2013 Ethik bei Deleuze\u201c sowie eine daran anschlie\u00dfende (Seminar)Diskussion. Hier erhielt das Problem, das sich stellt, wenn man einen Autor besser verstehen will, als er sich selber verstanden hat, insofern eine interessante Wendung, als sp\u00e4testens mit Prof. Jacobs irritierender Frage, wer eigentlich f\u00fchlt, wenn jemand f\u00fchlt, mit einem Mal nicht mehr als gesichert gelten konnte, wer eigentlich der Autor ist einer Empfindung, da man ja weiterfragen kann, ob derjenige ein Gef\u00fchl hat, der es \u201ahat\u2019, oder aber derjenige, der dr\u00fcber spricht \u2013 wobei beide Instanzen nicht notwendigerweise in eins fallen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit zu verstehen mag selbstverst\u00e4ndlich erscheinen. Die Teilnehmer\/innen am Hauptseminar \u201eEthos des Verstehens? Positionen der Hermeneutik\u201c hatten ein \u00fcberaus produktives Semester lang die Gelegenheit, diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit zu hinterfragen. Die dabei erworbene hermeneutische Kompetenz ist auch eine kritische: Denn wer gelernt hat, die Selbstverst\u00e4ndlichkeit des Verstehens zu hinterfragen, der d\u00fcrfte auch au\u00dferhalb des universit\u00e4ren Seminarbetriebs daf\u00fcr sensibilisiert sein, dass es, wo kommuniziert wird, nicht immer nur auf richtige Antworten ankommt, sondern vor allem auch auf treffende Fragen.<\/p>\n<p align=\"right\">Michael Preis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>&#8222;Ethos des Verstehens? 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