{"id":354,"date":"2013-03-12T12:35:11","date_gmt":"2013-03-12T12:35:11","guid":{"rendered":"http:\/\/fcaux.de\/et\/?p=354"},"modified":"2013-03-12T12:35:11","modified_gmt":"2013-03-12T12:35:11","slug":"die-lange-nacht-der-wissenschaften-kurzvortrage-der-studierenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/die-lange-nacht-der-wissenschaften-kurzvortrage-der-studierenden\/","title":{"rendered":"&#8222;Die lange Nacht der Wissenschaften&#8220; &#8211; Kurzvortr\u00e4ge der Studierenden"},"content":{"rendered":"<p>Erlanger Studierende berichten auf der Wissensnacht von aktuellen Projekten des Studiengangs.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Lange Nacht der Wissenschaften<\/h3>\n<div>\n<div>\n<p>Bericht zur 5. langen Nacht der Wissenschaften 2011<\/p>\n<p align=\"justify\">Bereits zum f\u00fcnften mal wurde am 22. Oktober 2011 in Erlangen, F\u00fcrth und N\u00fcrnberg die lange Nacht der Wissenschaften veranstaltet und interessierten Besuchern Einblicke in die faszinierende Welt der Wissenschaft erm\u00f6glicht. Auch diesmal lie\u00dfen es sich die Studentinnen und Studenten von Ethik der Textkulturen nicht entgehen, ihren Studiengang mit einem vielf\u00e4ltigen und spannenden Programm vorzustellen. Der von den Studierenden selbst organisierte Abend stand hierbei unter dem Motto: \u201eZeitlose Ethik \u2013 ethiklose Zeiten?\u201c &#8211; eine Frage, die ihrerseits wohl ebenso zeitlos wie aktuell sein d\u00fcrfte. Dies verdeutlichten auch die st\u00fcndlich gehaltenen Vortr\u00e4ge, die in ihrer thematischen Vielfalt einen guten \u00dcberblick \u00fcber die Bandbreite der Fragestellungen einer Ethik der Textkulturen bieten konnten.<\/p>\n<p>Manuel Kunze: Wachstum. Ethik.<\/p>\n<p align=\"justify\">Gerechtigkeit So ging Manuel Kunze unter dem Titel \u201eWachstum. Ethik. Gerechtigkeit\u201c zun\u00e4chst auf die Grenzen eines neoliberalen Wirtschaftssystems ein. Gerade in aktuellen Krisenerscheinungen zeigen sich diese Grenzen deutlich und lassen die Logik eines unendlichen Wachstums in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und \u00f6kologischer Hinsicht mehr als fraglich erscheinen. Mit dem Verweis auf Fakten wie der Tatsache, dass etwa ein Viertel der Weltbev\u00f6lkerung, die Menschen in den Industriel\u00e4ndern, rund 80 Prozent der produzierten Energie und Rohstoffe verbrauchen, l\u00e4sst sich nach Manuel Kunze eine riesige Kluft und ein Widerspruch zwischen der Idee grenzenloser Expansion und der Tatsache, dass die Welt endlich ist, feststellen. Doch der Vortrag bleibt bei dieser Feststellung nicht stehen, sondern versucht, aus der Kritik konstruktive Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine ver\u00e4ndernde Praxis zu gewinnen. So gilt es aus ethischer Perspektive die Fragen nach der Verteilungs- und Generationengerechtigkeit von G\u00fctern, Ressourcen und Lebensstandart neu zu stellen: Inwiefern m\u00fcssten wir fairer- und gerechterweise unseren aktuellen Lebensstandard ver\u00e4ndern, d.h. reduzieren, damit alle Mitglieder der Weltgesellschaft und zuk\u00fcnftige Generationen einen einigerma\u00dfen \u00e4hnlichen Lebensstandard haben k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>Tabea Kraus: Die Hagia Sophia in Istanbul: Kirche. Moschee. Museum Wem geh\u00f6rt die Hagia Sophia?<\/p>\n<p>Den Christen, die sie erbaut haben und fast ein Jahrtausend als Kirche nutzten, den Muslimen, die sie zur Moschee weihten und dadurch f\u00fcr ihre Erhaltung sorgten anstatt sie verfallen zu lassen, oder den Touristen, die sich heute darin tummeln? Diese Frage stellte Tabea Kraus in ihrem Vortrag \u201eDie Hagia Sophia in Istanbul: Kirche. Moschee. Museum\u201c, der zugleich ein pers\u00f6nlicher Erlebnisbericht war. Als Teilnehmerin einer Exkursion des Ethik-Studiengangs nach Istanbul, welche im Herbst 2011 stattfand, hatte sie n\u00e4mlich die Gelegenheit, eine der gr\u00f6\u00dften Attraktionen dieser Stadt, die Hagia Sophia, vor Ort zu besuchen. Dieses monumentale Bauwerk, dessen lange Geschichte von den Machtk\u00e4mpfen und Vereinnahmungen christlicher und muslimischer Religion gepr\u00e4gt war, hat heute als Museum nahezu jeden religi\u00f6sen Charakter verloren. Dies \u00e4u\u00dfert sich wohl am deutlichsten in einem in der Hagia Sophia geltenden Beetverbot, aber auch darin, dass neben den muslimischen auch die christlichen Mosaike wieder freigelegt wurden. So kann das Nebeneinander, \u00dcbereinander und Miteinander der beiden Religionen in einem Bauwerk bestaunt werden. Zum Abschluss des Vortrages wurde allerdings auch eine kritische Frage aufgeworfen: muss denn, um ein Miteinander der Kulturen zu erm\u00f6glichen, erst die Macht des Religi\u00f6sen verbannt werden? Oder anders gefragt, kann Religion nicht auch ohne Macht funktionieren? Ein Urteil dar\u00fcber, ob die Nutzung der Hagia Sophia als Museum diesem geschichtstr\u00e4chtigen Bauwerk und dessen religi\u00f6ser Vergangenheit gerecht wird, bleibt also ambivalent. Tabea Kraus jedenfalls w\u00fcnscht sich eine Hagia Sophia, in der Christen und Muslime beten und Touristen staunen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Arianna Toricelli: Hoffnung. Eine literarische Gebrauchsanweisung<\/p>\n<p>Im Anschluss stellte Arianna Toricelli mit ihrem Beitrag \u201eHoffnung. Eine literarische Gebrauchsanweisung\u201c den Zusammenhang von Hoffnung und ethischer Verantwortung heraus und ging auf literarische Spurensuche, um Antworten auf die Frage zu finden: \u201ewas ist Hoffnung?\u201c. Versuche der Hoffnung literarisch und philosophisch eine Stimme zu geben gibt es dabei viele, Arianna Toricelli stellte mit den Paulus Briefen und Ernst Blochs monumentalen Werk Das Prinzip Hoffnung zwei pr\u00e4gende Werke vor, deren Autoren sich an eine Gemeinde bzw. die Gesellschaft wandten und angesichts hoffnungslos erscheinender Umst\u00e4nde engagiert f\u00fcr die Hoffnung eintraten. Die Botschaft, die aus diesen so unterschiedlichen Werken zur Hoffnung gelesen werden kann, ist eine zeitlose, die auch oder gerade heute Aktualit\u00e4t und Relevanz beanspruchen kann. Hoffnung hei\u00dft hier nicht, im Vertrauen auf fremde M\u00e4chte oder eine bessere Zukunft zu verharren. Es ist vielmehr notwendig wach zu bleiben, sich aktiv und verantwortungsvoll mit dem eigenen Leben zu besch\u00e4ftigen, ohne der Gegenwart entfliehen zu wollen und in einer anderen utopischen Dimension zu leben. Hoffnung ist somit Leidenschaft f\u00fcr das M\u00f6gliche und eine bewusste Entscheidung f\u00fcr die Hoffnung. Dabei ist sie allerdings nie nur pers\u00f6nlich, sondern immer auf andere und die Hoffnung der anderen bezogen. Hoffnung wird so zu einer ethischen Aufgabe, da sie nicht nur Verantwortung f\u00fcr das eigene Leben sondern auch f\u00fcr das der anderen bedeutet. Vielleicht l\u00e4sst sich die Frage nach einer Definition der Hoffnung aber auch viel einfacher und treffender beantworten mit: \u201eSperare significa non smettere di credere che puoi ancora farcela. &#8211; Hoffen hei\u00dft, nicht aufzuh\u00f6ren zu glauben, dass man es noch schaffen kann.\u201c Die Antwort, die ein Kind, Arianna Toricellis kleiner Cousin Nicolo, auf diese Frage gegeben hat.<\/p>\n<p>Eva Spanier: Interkulturelle Unterschiede beim Fluchen und Schimpfen im Vergleich Deutsch-R\u00fcm\u00e4nisch<\/p>\n<p>Eva Spaniers Vortrag \u201eInterkulturelle Unterschiede beim Schimpfen und Fluchen im Vergleich Deutsch \u2013 Rum\u00e4nisch\u201c geh\u00f6rte sicherlich mit zu den unterhaltsamsten Momenten des Abends. Dabei n\u00e4herte sie sich dem Thema zun\u00e4chst theoretisch bzw. malediktologisch \u2013 Malediktologie bezeichnet n\u00e4mlich die Wissenschaft, die sich mit dem Schimpfen und Fluchen auseinandersetzt. Geschimpft und geflucht haben die Menschen wohl schon immer und so kann man hierbei von einer conditio humana ausgehen, welche zu allen Zeiten und in allen Kulturen zu beobachten ist. Auch wenn die Fl\u00fcche und Beschimpfungen von Kulturkreis zu Kulturkreis sehr unterschiedlich ausfallen k\u00f6nnen, ist ihnen ein kathartischer Effekt und die Verwendung eines Vokabulars, welches sich aus sexuellen, relig\u00f6sen und f\u00e4kalsprachlichen Tabus speist, gemeinsam. Die Unterschiede wurden im anschlie\u00dfenden Vergleich deutschen und rum\u00e4nischen Fluchens mit vielen konkreten Beispielen und auch Filmausschnitten vorgef\u00fchrt. Dabei zeigte sich vor allem, dass rum\u00e4nisch Fluchende nicht nur derber und direkter schimpfen, sondern dabei auch eine hohe Kreativit\u00e4t in der Bildung kunstvoller, waghalsiger Fluchgebilde beweisen. Da sich das deutsche Repertoire an Fl\u00fcchen und Fluchvokabular im Vergleich deutlich wortkarger und weniger erfindungsreich zeigt, ist es teilweise auch nahezu unm\u00f6glich, einen sich \u00fcber mehrere Zeilen erstreckenden rum\u00e4nischen Fluch angemessen zu \u00fcbersetzen. Neben aller Unterhaltung, die die Versuche solcher \u00dcbersetzungen von Eva Spanier boten, zeigt sich hier auch eine hermeneutische Dimension, die am Beispiel von Schimpfen und Fluchen die generelle Schwierigkeit einer kultur- und sprach\u00fcbergreifenden Verst\u00e4ndigung deutlich macht.<\/p>\n<p>Daniel Falkner: Streitlose Zeiten \u2013 F\u00fcr eine Ethik des Streites<\/p>\n<p>Ebenso wie immer schon geflucht und geschimpft wurde, kann man wohl davon ausgehen, dass sich die Menschen, seit sie miteinander kommunizieren und sich in ihren Gedanken wie Meinungen gegenseitig verst\u00e4ndlich machen k\u00f6nnen, auch miteinander gestritten haben. Und obwohl der Streit meist negativ konnotiert ist und als zu vermeiden gilt, stellte Daniel Falkner in seinem Vortrag \u201eStreitlose Zeiten \u2013 F\u00fcr eine Ethik des Streites\u201c die These auf, dass gerade in den heutigen politischen Debatten zu wenig und nicht ernsthaft gestritten werde. Der Grund hierf\u00fcr kann in einem allgemein vorherrschenden Konsensdruck gefunden werden. Die durchaus sinnvolle und erstrebenswerte Orientierung an einer Einigung in Streitfragen ist demnach zum unhinterfragten Dogma und zur leeren Phrase der politischen Kommunikation geworden. So wird eine kritischen Auseinandersetzung mit den zur Frage stehenden Streitthemen und das ernsthaften Austragen auftretender Differenzen verhindert. Seinen theoretischen Ausdruck findet dieser Konsensdruck in der Diskursethik von J\u00fcrgen Habermas. Anhand einer Kritik an dieser Theorie zeigte Daniel Falkner das verlorene Potential an Innovation und Kreativit\u00e4t, das im Streit liegt, auf, wies aber auch darauf hin, dass ein solches Streiten nach gewisser Regeln des moralischen Miteinander und im Rahmen gegenseitiger Anerkennung geschehen muss und daher einer Ethik des Streit bzw. einer Streitkultur bedarf.<\/p>\n<p>Trotz fehlender \u201eZaubervorlesung\u201c im Audimax, die in den Jahren zuvor f\u00fcr hohe Besucherzahlen in den T\u00fcrmen der Philosophischen Fakult\u00e4t gesorgt hatte, waren die Vortr\u00e4ge bis in die sp\u00e4te Nacht hinein sehr gut besucht und stie\u00dfen auf gro\u00dfe Resonanz, wie die angeregten Diskussionen jeweils im Anschluss gezeigt haben. Doch nicht nur die Vortr\u00e4ge selbst konnten begeistern. Ein liebevoll gestalteter und dekorierter Raum, ein buntes Rahmenprogramm und das Engagement aller aus dem Studiengang beteiligten sorgten f\u00fcr eine angenehme und anregende Atmosph\u00e4re. So sorgte das Barteam nicht nur daf\u00fcr, dass an diesem Abend niemand Durst leiden musste, sondern beantworteten auch freundlich die viele Fragen, die von interessierten Besuchern bez\u00fcglich Ethik der Textkulturen gestellt wurden. Gleich gegen\u00fcber gab es bei einem B\u00fccherbasar die M\u00f6glichkeit, sich f\u00fcr geringes Entgelt mit B\u00fcchern und literarischen Werken einzudecken.<\/p>\n<p>Besonders hervorzuheben ist auch die von Florian Filler erstellte Plakatausstellung zu der bereits erw\u00e4hnten Exkursion des Studiengangs nach Istanbul. Auch wenn die Nacht f\u00fcr alle Beteiligten tats\u00e4chlich eine sehr lange und sicher auch anstrengende war, kann sie im R\u00fcckblick als gro\u00dfer Erfolg in jeder Hinsicht verbucht werden. Vielen Dank an alle, die durch ihre Beitr\u00e4ge und Mithilfe diesen gelungenen Abend erm\u00f6glicht haben!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Erlanger Studierende berichten auf der Wissensnacht von aktuellen Projekten des Studiengangs.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=354"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=354"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=354"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=354"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}