{"id":2439,"date":"2019-08-21T15:33:39","date_gmt":"2019-08-21T13:33:39","guid":{"rendered":"http:\/\/ethik-msc.phil.uni-augsburg.de\/?p=2439"},"modified":"2020-04-03T17:23:29","modified_gmt":"2020-04-03T15:23:29","slug":"lektuereklausur-adorno-negative-dialektik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/lektuereklausur-adorno-negative-dialektik\/","title":{"rendered":"Lekt\u00fcreklausur: Theodor W. Adorno, \u00bbNegative Dialektik\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color wp-block-heading\">Lekt\u00fcreklausur: Theodor W. Adorno, \u00bbNegative Dialektik\u00ab<\/h3>\n\n\n\n<p>Herausforderung <em>philosophische Abhandlung<\/em>. Viele philosophische Einzelwerke bereiten ihren Leser*innen gro\u00dfe Schwierigkeiten: dichter, kondensierter Ausdruck hochkomplexer Gedanken, idiosynkratische Darstellung und Voraussetzungsreichtum sind nur einige der hermetischen H\u00fcrden, die dem Textverst\u00e4ndnis bisweilen entgegenstehen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektuereklausur_Negative-Dialektik_cropped.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektuereklausur_Negative-Dialektik_cropped-370x370.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2446\" width=\"248\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektuereklausur_Negative-Dialektik_cropped-370x370.jpg 370w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektuereklausur_Negative-Dialektik_cropped-175x175.jpg 175w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektuereklausur_Negative-Dialektik_cropped-768x768.jpg 768w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektuereklausur_Negative-Dialektik_cropped-750x750.jpg 750w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektuereklausur_Negative-Dialektik_cropped.jpg 1440w\" sizes=\"(max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In stiller Einzellekt\u00fcre solcher Werke stellt sich mitunter nach wenigen Seiten Frustration ein, der ganze Text erscheint als kaum zu bew\u00e4ltigen, sein Sinn als nicht ann\u00e4hernd zu erschlie\u00dfen. Ungelesen und unverstanden schlie\u00dflich harren sie weiter in B\u00fccherregalen ihrer Rezeption oder gar intellektuellen Aneignung. <em>Distant reading<\/em>, also der Zugang \u00fcber Sekund\u00e4rquellen, der die Beschr\u00e4nkung auf die Kerngedanken solcher Texte, entkleidet von deren Entwicklung, bedingt, ist das Mittel der Wahl.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-vivid-cyan-blue-color\"><strong>R\u00fcckzug zur intensiven Lekt\u00fcre<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um dem entgegenzutreten, treffen sich Erlanger Studierende des Masterstudiengangs \u00bbEthik der Textkulturen\u00ab seit 2017 einmal pro vorlesungsfreie Zeit zur mehrt\u00e4gigen intensiven Lekt\u00fcre bedeutsamer philosophischer Abhandlungen, die mit dem Kanon des Studiengangs in engem Zusammenhang stehen. Vier Tage lang wird 10\u201312 Stunden pro Tag gelesen und diskutiert. Nur Studierende, keine Dozierenden oder sonstigen Lekt\u00fcreleiter*innen. Keine Pr\u00fcfung, keine ECTS, nur intrinsisch motivierte Lekt\u00fcre.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Anfang dieser Veranstaltungsreihe machte die Besch\u00e4ftigung mit G.W.F. Hegels \u00bbPh\u00e4nomenologie des Geistes\u00ab, gefolgt von Martin Heideggers \u00bbSein und Zeit\u00ab sowie Immanuel Kants \u00bbKritik der Urteilskraft\u00ab. Die Auswahl der Lekt\u00fcre erfolgt stets nach Mehrheitsbeschluss.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-vivid-cyan-blue-color\"><strong>SoSe 2019: Theodor W. Adornos \u00bbNegative Dialektik\u00ab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im August 2019 schlie\u00dflich stand Theodor W. Adornos \u00bbNegative Dialektik\u00ab auf dem Programm. Der Philosoph, Sozialforscher, Musiktheoretiker und Komponist Adorno legt darin eine Methodologie des philosophischen Verfahrens seiner materialen Arbeiten vor. Das hei\u00dft, er zeigt den theoretischen Hintergrund seiner Arbeiten, die sich mit Gegenst\u00e4nden aus Philosophie, Sozialforschung, Literatur und Musiktheorie besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektueretafel_cropped.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektueretafel_cropped-370x370.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2461\" width=\"262\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektueretafel_cropped-370x370.jpg 370w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektueretafel_cropped-175x175.jpg 175w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektueretafel_cropped-768x768.jpg 768w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektueretafel_cropped-750x750.jpg 750w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Lektueretafel_cropped.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 262px) 100vw, 262px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u00bbDer Autor legt, soweit er es vermag, die Karten auf den Tisch; das ist keineswegs dasselbe wie das Spiel.\u00ab (Adorno: \u00bbNegative Dialektik\u00ab (= GS 6), S. 9)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Womit schon eine Schwierigkeit des Textes bzw. von Adornos Denken \u00fcberhaupt angesprochen ist: Bei ihm gibt es die Trennung zwischen Theorie und gegenst\u00e4ndlicher Arbeit nicht. \u00bbStringent \u00fcber die offizielle Trennung von reiner Philosophie und Sachhaltigem oder Formalwissenschaftlichem hinauszugelangen, war \u2026 eines der bestimmenden Motive.\u00ab (Adorno: \u00bbNegative Dialektik\u00ab (= GS 6), S. 10)<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-vivid-cyan-blue-color\"><strong>Kritik der philosophischen Systeme: Adornos \u00bbAntisystem\u00ab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Adornos Verfahren ist ein durch und durch antisystematisches. Die \u00bbNegative Dialektik\u00ab ist eine Kritik an philosophischen Systemen als solchen. Sie bietet \u2013 bildlich gesprochen \u2013 kein theoretisches Geb\u00e4ude, das auf einigen wenigen Grundannahmen fu\u00dfend errichtet wird. (Auf diese Weise funktioniert etwa Ren\u00e9 Descartes\u2019 Philosophie, die vom ersten unbezweifelbaren Satz, dem \u00bbIch denke\u00ab, ausgeht und auf diesem entwickelt wird.)<\/p>\n\n\n\n<p>Anspruch von Adornos Kritik an philosophischen Systemen ist es, immanent vonstatten zu gehen: Adorno nimmt sich philosophischer Systeme wie dem idealistischen System Hegels an und versucht, mit ihnen \u00fcber sie hinauszugelangen. Im Vollzug dieser System-Kritik in der \u00bbNegativen Dialektik\u00ab soll zugleich deren Rechtfertigung liegen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-vivid-cyan-blue-color\"><strong>Abgeschiedenheit in der Fr\u00e4nkischen Schweiz: Pottenstein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Ausblick-Unterkunft.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Ausblick-Unterkunft-370x208.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2452\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Ausblick-Unterkunft-370x208.jpeg 370w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Ausblick-Unterkunft-175x98.jpeg 175w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Ausblick-Unterkunft-768x432.jpeg 768w, https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Ausblick-Unterkunft-750x422.jpeg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dieses Denken nachzuvollziehen, begab sich eine Gruppe von neun Studierenden des Masterstudiengangs \u00bbEthik der Textkulturen\u00ab vom 8.\u201312. August 2019 in ein Ferienhaus im oberfr\u00e4nkischen Pottenstein. Die Abgeschiedenheit in diesem in der Fr\u00e4nkischen Schweiz gelegenen Luftkurort \u2013 angelehnt an die monastische Bedeutung von \u00bbKlausur\u00ab \u2013 bettet die Lesegruppe in eine ideale Atmosph\u00e4re f\u00fcr die konzentrierte Besch\u00e4ftigung mit der Lekt\u00fcre. In den Pausen k\u00f6nnen auf der am Hang mit Blick \u00fcber die Stadt Pottenstein gelegenen Terrasse des Hauses Kraft getankt werden oder kleine Wanderungen in der Umgegend unternommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gewiss ist der zeitliche Rahmen zu kurz daf\u00fcr, eine ganze derartige philosophische Abhandlung zu bew\u00e4ltigen. Doch schafft die intensive Besch\u00e4ftigung eine sehr gute Voraussetzung f\u00fcr die weitere, wom\u00f6glich dann alleine gelingende Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n\n\n\n<p>(Text: Andreas Lugauer; Fotos: Valerie B\u00fcrger, Sarah D\u00f6nges)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Lekt\u00fcreklausur: Theodor W. Adorno, \u00bbNegative Dialektik\u00ab Herausforderung philosophische Abhandlung. Viele philosophische Einzelwerke bereiten ihren Leser*innen gro\u00dfe Schwierigkeiten: dichter, kondensierter Ausdruck hochkomplexer Gedanken, idiosynkratische Darstellung und <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/ethik-der-textkulturen.de\/etk\/lektuereklausur-adorno-negative-dialektik\/\" title=\"Lekt\u00fcreklausur: Theodor W. 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